Kriegs-, Krisen- & Konfliktfotografie
Service #02

Sicherheit für Freelancer*innen in Krisen- und Kriegsregionen

Fragen nach persönlichem Schutz bei der Ausübung des Berufs als freie/r Fotojournalist*in können oft schneller an Bedeutung gewinnen, als man denkt. Diejenigen etwa, die in Hamburg im Jahr 2017 die Proteste gegen den G20 dokumentierten, können davon ein Lied singen. Während es dort vor allem um Fragen physischer Sicherheit sowie den Schutz des eigenen Equipments ging, kommen bei der Arbeit in Kriegs- und Krisenregionen eine Vielzahl von Themen dazu, die von Fragen digitaler Sicherheit, den Rücktransport im Fall von Krankheit und Verletzung bis zum Umgang mit möglicher Invalidität reichen. Wie sehr die Gefahren für freie Journalist*innen in den letzten Jahren zugenommen haben, zeigt die Untersuchung »Under threat: The changing State of media safety« des International News Safety Institute (INSI).

NGOs und Handbücher zum Thema

Bezogen auf das Thema gibt es eine ganze Reihe von nationalen und internationalen Organisationen, die in diesem Feld Expertise entwickelt oder sich eigens dafür gegründet haben. Dazu gehören neben der weltweit bekannten Organisation Reporters without borders (RWB) die International Federation of Journalists (IFJ), das Committe to Protect Journalists (CPJ), das International Press Institute (IPI) und Article 19. IFJ ist eine Art Dachverband nationaler Journalist*innenverbände während CPJ, IPI und Article19 ebenso wie RWB auf Journalismus und Pressefreiheit spezialisierte NGOs sind. Relativ neu im Feld sind Institutionen, die speziell Freelancer*innen supporten wie die ACOS Alliance oder der Rory Peck Trust. Wie sich am Namen des letzteren erkennen lässt, wurde diese NGO im Namen des bei der Arbeit getöteten Journalisten Rory Peck gegründet.

Der Ausspruch »Wissen ist Macht« ist zwar ein alter Hut, aber sehr treffend wenn es um die Vorbereitung auf die Arbeit in Krisen- und Kriegsregionen geht. Je mehr ich über das Thema Sicherheit im Allgemeinen und die Situationen in der Zielregion im Besonderen weiß, umso besser kann ich mich vorbereiten und Risiken minimieren. Was den allgemeinen Wissensstand angeht, gibt es eine Reihe von guten Handbüchern. Ein Klassiker ist »Live News: A Survival Guide for Journalists« von der IFJ. Ein sehr ausführliches Online-Dokument ist der »Journalist Security Guide« von CPJ. Sicherheitshandbücher für Journalisten haben auch die OSCE sowie Reporters without Borders in Kooperation mit der UNESO entwickelt. Ein Handbuch speziell für weibliche Journalist*innen stammt von der International Association of Women in Radio & Television. Und vor allem für Fotojournalist*innen die angestellt sind oder auf Assignments reisen ist das »News Organizations Safety Self-Assessment« der ACOS Alliance interessant.

Trainingsangebote

So abgedroschen das Sprichwort »Übung macht den Meister« auch sein mag, es trifft doch ins Schwarze. Denn auch wenn immer wieder behauptet wird, das Verhalten in Krisen- und Kriegsregionen ließe sich nicht trainieren, beweisen die Erfahrungen vieler Kolleg*innen das Gegenteil. Die Trainingsangebote lassen sich unterteilen in Sicherheitstrainings, spezialisierte Erste-Hilfe-Kurse sowie das Thema Digitale Sicherheit. Am bekanntesten in Bezug auf physische Sicherheit und Waffenkunde ist in Deutschland das Angebot des Bundesverteidigungsministeriums in Kooperation mit der Berufsgenossenschaft der Druck und Papierverarbeitung, auch unter dem Stichwort Journalistentraining Hammelburg bekannt. Daneben werden Sicherheitstrainings aber beispielsweise auch von der European Broadcasting Union sowie spezialisierten Unternehmen wie GJS Security oder Lazarus Training angeboten. Unterschiede liegen neben der spezifischen Ausrichtung vor allem im Preis und der Länge der Kurse.

Was spezialisierte Erste-Hilfe-Kurse für die Arbeit in Krisen- und Kriegsregionen angeht, so hat sich vor allem RISC diesbezüglich einen Namen gemacht. Alle Absolvent*innen von RISC bekommen ein spezielles Erste-Hilfe-Set für Verletzungen in Kampfhandlungen. Noch recht übersichtlich ist das Angebot, was das Thema digitale Sicherheit angeht. Auf der Webseite der Deutsche Welle Akademie gibt es den Hinweis auf ein »Digital Safety« Training, dass auf Anfrage gebucht werden kann. Auch GSJ Security führt das Thema auf ihrer Webseite. Und der deutsche Zweig von RWB hat 2018 ein auf das Themenfeld spezialisiertes Stipendium für Journalist*innen aus Krisenregionen ausgeschrieben.

Versicherungen

Vermutlich wird die Nachfrage bei der eigenen Krankenversicherung ergeben, dass diese nicht für Verletzungen in Krisen- und Konfliktregionen aufkommt. Insofern gibt es kaum eine Option abseits spezialisierter Versicherungen. Ein recht breites Angebot für Auslandsreisen und -aufenthalte jedweder Art bieten das deutsche Versicherungsunternehmen Dr. Walther, sowie das internationale Unternehmen Battleface. Eine speziell auf die Arbeit in Kriegs- und Krisenregionen zugeschnittenes Angebot für Journalist*innen bietet die Organisationen Reporters Without Borders. Die Preise sind relativ moderat, Voraussetzung für den Abschluss ist jedoch eine Mitgliedschaft bei RWB. Angestellte Fotojournalist*innen sind in der Regel auch im Ausland über die BG ETEM versichert. Ob und in welchem Umfang Versicherungsschutz vorliegt, ist in jedem Fall vorher genau mit der BG ETEM zu klären. Dies gilt auch für die Möglichkeiten, sich als Freie/r über die BG ETEM zu versichern.

Die hier zusammengestellten Hinweise dienen nur der allgemeinen Information und ersetzen nicht eine ausführliche, auf die individuellen Anforderungen abgestimmte persönliche Vorbereitung. Deswegen sei an dieser Stelle auch darauf hingewiesen, dass FREELENS e.V. keine Verantwortung übernehmen kann. Darüber hinaus hat die Zusammenstellung einen Übersichtscharakter und stellt keine persönliche Empfehlung der Autor*innen dar. Und selbst die beste Vorbereitung kann nie alle Eventualitäten verhindern, sondern nur Risiken minimieren, was eine ausgewogene, persönliche Entscheidung für oder gegen die Arbeit in Kriegs- und Krisenregionen sowie die minutiöse Planung unersetzlich macht.

P.S: Nicht zu unterschätzen sind auch die psychosozialen Belastungen bzw. Folgen der Arbeit in Kriegs- und Krisenregionen. Während es in einigen der hier verlinkten Dokumente bereits Hinweise auf das Thema gibt, haben wir es hier bewusst ausgeklammert, da es dazu in wenigen Wochen einen eigenen Servicebeitrag geben wird.


Felix Koltermann ist promovierter Kommunikationswissenschaftler und arbeitet zu den Themen internationaler Fotojournalismus, visuelle Medienkompetenz und zeitgenössisches Fotobuch. Zuletzt hat er das Buch »Fotoreporter im Konflikt – Der internationale Fotojournalismus in Israel/Palästina« beim Verlag Transcript publiziert. Er betreibt den Blog »Fotografie und Konflikt« und ist als freier Journalist unter anderem für die Zeitschrift Photonews tätig. Auf Twitter und Instagram ist er unter @fkoltermann zu finden.