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DI.DAY Wechselrezept

Spotify zu fairem Musik-Streaming

Illustration: Florian Biege

Wir kochen unsere eigene Suppe – und hören dabei Musik, die nicht nur uns, sondern auch den Kulturschaffenden guttut. Die marktbeherrschenden Plattformen setzen ihre Algorithmen intransparent ein, tracken Nutzende und überschwemmen uns mit KI-generierter Spam-Musik. Und vor allem vergüten sie Musiker*innen sehr schlecht.

Wenn Dir das nicht (mehr) gefällt, kannst Du mit diesem Rezept mehr Gemeinschaft und Fairness auf den Tisch bringen: Mit meist europäischen Alternativen nimmst Du Deine digitale Souveränität selbst in die Hand und unterstützt eine gesunde, vielfältige Musikkultur.

Weil Eintopf mit zu vielen Zutaten nicht immer schmeckt, dreht sich dieses Rezept vor allem um Musik – für gesprochenes Wort in Hörspiel oder Hörbuch genieße auch unseren Nachtisch. (Und nicht vergessen: Musik gibt´s auch auf CDs oder Vinyl!)

Zutaten

1 Prise Entdeckergeist

für neue, handverlesene Musik abseits der Mainstream-Algorithmen

1 Bewusstsein für Fairness,

damit mehr Geld bei den Menschen ankommt, die Deine Lieblingsmusik erschaffen

Deine bestehenden Playlisten,

die Du einfach in ihr neues Zuhause mitnimmst

Zubereitung

1 Die passende Basis wählen (Deine neue Plattform)

Entscheide Dich für einen (oder mehrere) der folgenden Musikanbieter:

Qobuz (Frankreich)

Die erste Wahl für Klang-Enthusiast:innen. Hier genießt Du Musik in Hi-Res-Qualität (bis zu 24-Bit/192 kHz) und entdeckst neue Schätze durch fundierte redaktionelle Beiträge statt durch kühle Algorithmen. Zahlt Künstler*innen sechsmal mehr als Spotify (Quelle). Schützt Nutzendendaten DSGVO-konfrom, beschreibt transparent den Umgang mit KI.

SoundCloud (Deutschland)

Herz der Independent-Szene aus Berlin. Hier surfst Du direkt an der Quelle auch für neue Musik, kannst Dich mit DJs austauschen und findest Remixe und Live-Sets, die es sonst nirgendwo gibt. Schützt Nutzendendaten DSGVO-konform, Kritik gab es an der Verwendung von Tracks für KI-Training.

Bandcamp (USA)

Keine klassische Abo-Plattform – Künstler*innen verdienen erst, wenn Du Songs kaufst, nicht schon, wenn Du streamst. Oft bestimmst Du selbst den Preis für Deine Musik, und der Großteil der Verkaufserlöse fließt an die Künstler*innen. Viele Musikschaffende verkaufen hier auch Vinyl und Merchandising. Bandcamp stand in der Kritik wegen vieler Eigentümerwechsel und Entlassungen. Erlaubt nach eigenen Angaben keine KI-Musik. Nutzendendaten liegen (auch) auf US-Servern – daher ist unsicher, wie gut die DSGVO eingehalten wird.

Subvert (USA)

ist ein neues genossenschaftliches Projekt, das mit Künstlerinnen und Labels einen Online-Marktplatz für Musik und Fanartikel aufbauen will. Die Plattform legt ihr Geschäftsmodell sehr transparent offen und sieht sich als bessere Alternative zu Bandcamp, wo Musikerinnen und Labels kaum Mitsprache haben. Noch ist Subvert nur testweise für Mitglieder verfügbar. Nutzendendaten liegen (auch) auf US-Servern – daher ist unsicher, wie gut die DSGVO eingehalten wird.

Bandwagon.fm (USA)

ist der Musikdienst im Fediverse – wer beispielsweise Mastodon nutzt (siehe unser Rezept), kann Künstler*innen auf Bandwagon folgen. Bandwagon ist datensparsam und 100 % Open Source, der wichtigste Server operiert aber aus den USA. Für Neugierige: Das Stream-Radio The Indie Beat spielt Tracks von Bandwagon.

Deezer (Frankreich)

Ein Allrounder mit über 90 Millionen Songs in CD-Qualität. Mit Tools wie „Flow“ entdeckst Du Musik passend zu Deiner Stimmung. Der Dienst „arbeitet“ nach eigenen Angaben daran, KI-generierte Inhalte transparent zu kennzeichnen – nach letzten Berichten ist mehr als die Hälfte der Inhalte KI-generiert.

Tidal (USA)

Die Plattform zahlt etwa sechsmal mehr Tantiemen an Musiker:innen als beispielsweise Spotify (Quelle) und bietet auch hohe Audioqualität und DJ-Funktionen. Für Fans von HipHop, R&B und Pop ist Tidal eine gute Wahl. Zudem können Künstler:innen ihre Einnahmen direkt verfolgen. Nutzende kritisieren, dass KI-Musik nicht immer transparent gekennzeichnet ist. Daten liegen (auch) auf US-Servern – daher ist unsicher, wie gut die DSGVO eingehalten wird.

2 Der Geschmackstest: Probieren geht über Studieren

Bevor du dich festlegst, nutze die Freiheit, verschiedene Dienste in Ruhe zu testen. Die meisten Alternativen bieten großzügige Testphasen (oft 30 Tage) an. So stellst Du sicher, dass das „Menü“ auch wirklich deinem Geschmack entspricht

Die Tipps für Deinen Testlauf:

  • Hardware-Check: Nutze die Testphase, um zu prüfen, ob die App auf all Deinen Geräten (Smartphone, Desktop, Hi-Fi-Anlage) reibungslos läuft. Nicht jeder Dienst harmoniert perfekt mit jedem Betriebssystem.

  • Katalog-Check: Suche gezielt nach Deinen Lieblingskünstlern und Nischen-Genres. Da die Kataloge leicht variieren, ist dies der beste Weg, um sicherzugehen, dass Dein persönlicher Soundtrack vollständig umziehen kann.

  • Die „Kalender-Zutat“: Damit Dein Testlauf selbstbestimmt bleibt und nicht in einer ungewollten Kostenfalle landet, trage Dir den Kündigungstermin sofort in deinen Kalender ein (am besten 2-3 Tage vor Ablauf). So behältst Du die Kontrolle darüber, ob aus dem Flirt eine feste Beziehung wird.

  • Daten-Sparsamkeit: Schau Dir während des Tests an, wie die App mit Deinen Daten umgeht. Europäische Dienste unterliegen der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), was Dir bereits einen hohen Schutz bietet – aber ein Blick in die Privatsphäre-Einstellungen lohnt sich immer, um die Datensparsamkeit auf das Maximum zu drehen.

Viel Freude beim genussvollen Ausprobieren – Du entscheidest, was auf den Teller kommt!

3 Der Umzug (Playlisten transferieren)

Hab keine Sorge, Deine über Jahre kuratierten Musiklisten zu verlieren. Es gibt spezialisierte „Küchenhelfer“, die den Transfer für Dich erledigen:

  • Tune My Music: Bietet einen kostenlosen Transfer von insgesamt bis zu 500 Songs an.

  • Free Your Music: Ermöglicht den Import von 300 Songs in der Testphase.

  • Qobuz kooperiert direkt mit Soundiiz, um Musik und Listen direkt auf die Plattform zu übertragen (Anleitung hier).

Nutze diese Tools, um deine Mediathek bzw. Playlist in wenigen Minuten auf deine neue, faire Plattform zu spiegeln!

4 Die Freiheit genießen

Lösche dein Spotify-, Apple Music oder Amazon Prime Music-Abo und spüre die Erleichterung. Du bist nun Teil einer Bewegung, die Musik wieder als das wertschätzt, was sie ist: Kunst und Gemeinschaft, nicht nur ein Datenpunkt für Werbealgorithmen.

Nachtisch

Deine Extra-Portion Unabhängigkeit: Nutze für deine Podcasts offene Standards wie RSS-Feeds und eine unabhängige App (z.B. für Android AntennaPod oder Öffi Sounds). So bleibst du unabhängig von geschlossenen Systemen, die versuchen, dich in ihrer App gefangen zu halten. ARD Sounds (die ehemalige ARD Audiothek), die Deutschlandfunk-App oder andere Audioangebote bieten Wort oft in toller inhaltlicher Qualität – und gut klingt es auch noch.

Auch über Deinen Bibliotheksausweis kannst Du Musik streamen, beispielsweise bei Freegalmusic. Die Naxos Musikbibliothek bietet klassische Musik, Jazz und Weltmusik im Stream - mehr als 3 Millionen Titel von über 240.000 Alben, außerdem über 5000 Hörbücher auf Englisch und Deutsch. Auch über diesen Link gelangst Du zu Naxos.

Guten Appetit! Du hast einen riesigen Schritt zu mehr digitaler Unabhängigkeit gemacht.

And once you #DIDitteile unseren Wechselpost und inspiriere andere dazu, ihre digitale Privatsphäre selbst in die Hand zu nehmen!

Der Digital Independence Day ist
 ein gemeinsames Projekt vieler Organisationen, koordiniert von Save Social – Networks For Democracy.

Mehr Infos zum DI.DAY