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Young Professionals

Broschüre 2026

05.08.2026

Womöglich befinden wir uns bereits in einer Art „afterhour“ des Fotojournalismus: Alle scheinen erschöpft zu sein, und doch hält etwas die Beteiligten dazu an, weiterzumachen. Sie versuchen dennoch, Bilder für eine Gegenwart zu finden, die zunehmend unübersichtlich erscheint. Eine Ordnung in das visuelle Chaos zu bringen. Doch was hält die Fotograf*innen bei Kräften? Was bestärkt ihren Glauben, die Welt mithilfe von Fotografie zu formen und festzuhalten? Der Hoffnung an eine gerechtere Form des Zusammenlebens? An die Möglichkeit einer besseren Welt? Die hier zusammengestellten Arbeiten geben darauf keine eindeutigen Antworten. Sie beantworten auch die Fragen nicht, die sie selbst stellen. Doch vielleicht wäre das auch zu viel verlangt, von Bildern ebenso wie von der Fotografie im Allgemeinen.

Die Projekte scheinen vielmehr eine neue Generation von Fotograf*innen abzuzeichnen, die das historisch Vorgefundene nicht einfach fortsetzt, sondern neu deutet. Vielleicht müssen wir heute vieles noch einmal von Grund auf denken: Woher kommen unsere Bilder? Welche Vorstellungen schreiben sie fort? Und wohin können sie führen? Die hier gezeigten Positionen lösen sich von einer vermeintlich eindeutigen „journalistischen” Bildsprache – was auch immer dieser Begriff jemals bedeutet haben mag. Stattdessen schlagen sie einen bewussteren Umgang mit dem Medium Fotografie vor. Dabei arbeiten sie sich vor allem an den seit der Erfindung der Fotografie fest eingeschriebenen Grenzen des Mediums ab.

Immer wieder kreisen die Arbeiten um Fragen der Sichtbarkeit und Repräsentation, also darum, wie Blickregime unsere Wahrnehmung strukturieren und welche Bilder als gesellschaftlich relevant gelten. Andere Projekte beschäftigen sich mit Herkunft, Erinnerung und biografischer Verortung oder untersuchen Formen von Gemeinschaft unter Bedingungen politischer, sozialer und ökonomischer Unsicherheit. Viele der Projekte entstehen aus eigenem Antrieb, unabhängig von klassischen redaktionellen Aufträgen, und finden ihre Öffentlichkeit zunehmend außerhalb traditioneller journalistischer Formate, beispielsweise in Ausstellungen, Publikationen oder experimentellen Präsentationsformen.

Gerade in einer Zeit, in der Bilder allgegenwärtig sind und fotografische Wirklichkeit permanent geschaffen, geteilt und umgedeutet wird, erscheint eine kritische Auseinandersetzung mit Fotografie dringlicher denn je. Diese Publikation versteht sich deshalb nicht nur als Sammlung junger fotografischer Positionen, sondern auch als Versuch, die Rahmenbedingungen sichtbar zu machen, unter denen Bilder heute entstehen. Dabei geht es vielleicht weniger um Antworten als um die Frage, welche Formen dokumentarischer Fotografie in Zukunft überhaupt noch möglich sein werden.

Die Publikation geht auf den Anfang 2024 ins Leben gerufenen Arbeitskreis YOUNG PROFESSIONALS von FREELENS zurück. Ausgangspunkt waren Fragen dazu, wie junge Fotograf*innen eine stärkere Rolle im Verband einnehmen können und was sie für einen erfolgreichen Einstieg in den Beruf benötigen. In dieser Publikation ist eine Auswahl von Projekten dieser Gruppe versammelt, die nun in der dritten Ausgabe erscheint.

Text: Felix Schmale

Die Broschüre könnt ihr für 10,00 € in der FREELENS Galerie in Hamburg erwerben oder für 12,90 € per Mail bestellt werden.