Foto: Sarah Mei Herman
Im Rahmen von Les Rencontres d’Arles präsentiert FREELENS ab dem 6. Juli 2026 erneut eine Ausstellung im Foto Haus der ParisBerlin fotogroup in der Manuel Rivera-Ortiz Fondation in Arles, Frankreich.
Unter dem Titel »Lines of Relation« widmet sich die Ausstellung Familie als sozialem und emotionalem Gefüge: einem Ort von Nähe, Fürsorge und Zugehörigkeit, zugleich aber auch einem Raum, der von Macht, Schweigen, Rollenbildern und überlieferten Erzählungen geprägt ist. Familie erscheint dabei als ein Netzwerk aus Beziehungen, Erwartungen und Erinnerungen, das sich über Generationen hinweg formt und verändert.
Die Ausstellung zeigt junge fotografische Positionen von FREELENS sowie Arbeiten aus der Hamburg Portfolio Review 2026. Die sechs künstlerischen Positionen verbinden dokumentarische Recherche, autobiografische Auseinandersetzung und inszenierte Bildwelten. In ihrer Vielstimmigkeit zeigen sie Familie als fragiles, widersprüchliches und immer wieder neu zu verhandelndes Konstrukt.
Mit Arbeiten von Alex Bex, Tamara Eckhardt, Aliona Kardash, Sarah Mei Herman, Arne Piepke und Antine Karla Yzer
Alex Bex setzt sich in »Memories of Dust« mit dem Cowboy als prägender Figur traditioneller Männlichkeit in Texas auseinander. Zwischen Ranchleben, Rodeos und popkulturellen Westernbildern hinterfragt er ein Rollenmodell, das auch familiäre und gesellschaftliche Vorstellungen von Stärke, Unabhängigkeit und emotionaler Distanz geprägt hat.
Foto: Alex Bex
In »4 Blocks« begleitet Tamara Eckhardt Kinder und Jugendliche in einem von Armut geprägten Stadtteil von Gelsenkirchen. Ihre Fotografien erweitern den Blick auf Familie um soziale Bedingungen: Sie zeigen Formen von Zusammenhalt, Fürsorge und Alltag dort, wo Migration, prekäre Wohnverhältnisse und strukturelle Benachteiligung das Aufwachsen prägen.
Foto: Tamara Eckhardt
In »Himmelsmechanik« verbindet Aliona Kardash das mysteriöse Tunguska-Ereignis von 1908 mit der Geschichte ihres Vaters, für den der Ort über Jahre hinweg zu einem persönlichen Sehnsuchtsraum wurde. Die Arbeit zeigt, wie familiäre Mythen Zugehörigkeit stiften und wie Erzählungen über das Ungewisse Teil der eigenen Herkunft werden.
Foto: Aliona Kardash
Das Langzeitprojekt »Julian & Jonathan« von Sarah Mei Herrmann beobachtet über fast zwei Jahrzehnte die Beziehung zwischen ihrem Vater und ihrem deutlich jüngeren Halbbruder. Die Arbeit erzählt von Nähe und Distanz, vom Aufwachsen und Älterwerden und von den feinen Verschiebungen, durch die sich familiäre Bindungen immer wieder verändern.
Foto: Sarah Mei Herman
Arne Piepke folgt in »The Shape of F. S.« den Spuren seines Urgroßvaters an der ehemaligen Westfront des Ersten Weltkriegs. Aus Feldpostbriefen, Landschaften und gemeinsamen Reisen mit seiner Mutter entsteht eine Auseinandersetzung mit familiärer Erinnerung, historischen Leerstellen und der Frage, wie Kriegserfahrungen über Generationen hinweg nachwirken.
Foto: Arne Piepke
Antine Karla Yzer untersucht in »ICH VERGEHE VOR UNGEWISSHEIT« die familiäre Weitergabe von Erinnerungen an die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Ausgehend von alten Fotografien, Erzählungen und Schweigen fragt sie, wie Familiengeschichte entsteht, wenn Wahrheit, Scham und Verdrängung untrennbar miteinander verbunden sind.
Gemeinsam zeigen die Arbeiten Familie als Schutzraum und Spannungsfeld zugleich — als lebendige Struktur, in der Herkunft, Identität und Zugehörigkeit immer wieder neu verhandelt werden.
Foto: Antine Karla Yzer
Begleitend zur Ausstellung finden mehrere Artist Talks und Buchpräsentationen statt.
Am Dienstag, 7. Juli, von 15:30 bis 16:30 Uhr sprechen Nina Röder und Ingo Taubhorn über ihre fotografischen Arbeiten.
Am Donnerstag, 9. Juli, von 14:00 bis 14:45 Uhr stellt Amelie Sachs die Publikation »was geschehen und nie geschehen ist« vor, die gemeinsam mit Paulina Metzscher und der Autorin und Filmemacherin Eva Gemmer entstanden ist. Das fotografisch-dokumentarische Projekt beschäftigt sich mit Familiengeschichten von Menschen, die von staatlich organisierten Zwangsadoptionen in der DDR betroffen waren, und verbindet künstlerische Fotografien, Archivmaterial sowie dokumentarische und poetische Texte.
Ebenfalls am Donnerstag, 9. Juli, von 15:00 bis 16:30 Uhr präsentiert Nikita Teryoshin sein neues Buch. Im Anschluss findet um 17:30 Uhr ein Book Signing mit Nikita Teryoshin in der Galerie Casa dell’Arte, 8 Rue Tardieu, statt.
Am Dienstag, 7. Juli, um 19:00 Uhr lädt FREELENS zu einer kleinen internen Eröffnung ein. Die offizielle Eröffnung der Manuel Rivera Ortiz Fondation und aller Ausstellungen findet am Mittwoch, 8. Juli, um 19:00 Uhr statt.
Die Ausstellung ist mit großzügiger Unterstützung von Oschatz Visuelle Medien entstanden. Vielen Dank!
Die Brüder Daniel und Joel Oschatz stammen aus einer Fotografenfamilie in der dritten Generation und sind in der Bild- und Grafikproduktion national und international zu Hause. Früher als Fotofachlabor, heute als Druckdienstleister, sind sie für viele Ausstellungshäuser und Museen, wie z.B. das FOAM Museum in Amsterdam oder das Städel Museum in Frankfurt, feste Partner rund ums Bild.
Daniel Oschatz und sein Team unterstützt FREELENS in allen Belangen rund um professionelle Drucklösungen unterstützen. Insbesondere bei den Produktionen der Aussstellungen in der FREELENS Galerie.
Weitere Kooperationspartner sind das Goethe-Institut, die Behörde für Kultur und Medien Hamburg und Canon.
Ein besonderer Dank gilt Christel Boget und der ParsBerlin fotogroup