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Rolf Nobel

Travellers

Wörtlich übersetzt bedeutet das Wort traveller Reisender. Sie selbst nennen sich Pavee. Der gebräuchliche Fremdname Tinker leitet sich vom englischen Wort tin für Zinn oder verzinktes Eisenblech ab. Ursprünglich stellten und reparierten sie vor allem Küchengeräte wie Schüsseln und Teller, als sie in den ersten Jahren ihres Umherziehens mit Pferdewagen unterwegs waren.

Das Leben in engen Familienverbänden, das Herumziehen in Wohnwagen, ihr strenger Glaube, ihre hohe Kinderzahl und ihre Sprache, das Shelta, haben den Fahrenden den Ruf eingebracht, ‚Gypsies‘ zu sein. In Wirklichkeit wurden sie jedoch vor langer Zeit durch sozioökonomische Prozesse an den Rand der Gesellschaft gedrängt, was zu ihrem Nomadentum und ihrer Binnenmigration als Wanderhandwerker führte. Man findet sie vor allem in England und Irland, aber auch in Wales und Schottland. Gelegentlich arbeiten sie auch vorübergehend auf Baustellen in Deutschland.

Eine Traveller-Familie am Campfeuer zwischen ihren Wohnwagen auf dem Pferdemarkt in Appleby.

Noch in den 1960er Jahren lag die durchschnittliche Lebenserwartung der Fahrenden bei nur 50 Jahren. Ursache dafür waren die schlechten Lebensbedingungen in den zugigen, kalten und feuchten Wohnwagen. Laut Umfragen lehnen 75 Prozent der englischen Bevölkerung die Ansiedlung von Travellers in ihrer Nachbarschaft ab. Als Menschen ohne festen Wohnsitz und mit Erwerbsweisen, die nach außen hin oft wenig transparent erscheinen, sowie mit kulturellen Eigenheiten, sind sie seit jeher von der Mehrheitsgesellschaft stigmatisiert und dem Misstrauen staatlicher Institutionen ausgesetzt. Wird in der Nähe eines Wohnwagenplatzes ein Einbruch begangen, ist die Polizei oft schnell zur Stelle. Obwohl Travellers häufig mit dem Stigma von Gaunern in Verbindung gebracht werden, weisen sie keine signifikant höhere Kriminalitätsrate auf. Wie viele Briten haben auch Travellers eine besondere Leidenschaft für Pferde. Ein zentraler Treffpunkt sind die zahlreichen Pferdemärkte, darunter die Appleby Horse Fair, die als größter Pferdemarkt Großbritanniens gilt und seit rund 275 Jahren in Appleby in der Grafschaft Cumbria stattfindet.

Zwei jungendliche Travellers mit einem Pferd auf einer Verkehrsinsel in dem beschaulichen Appleby.

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Rolf Nobel

Hannover, DE