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FREELENS Showcase

Frank Schultze

Der »Goldene Wasserweg«

Taiwanesische Reisende kehren mit Koffern voller Schmuggelware von Xiamen nach Kinmen zurück. Die Fährverbindung zwischen diesen Orten nahm 2023 nach einer dreijährigen Corona-Pause den Betrieb wieder auf.

An der chinesischen Grenzkontrolle im Wutong Port fällt den Reisenden ein Propagandaschild ins Auge: „Eine Familie auf beiden Seiten der Meerenge. Zusammenhalt, um unsere Träume zu erfüllen. “ Die meisten Bewohner von Kinmen fühlen sich kulturell und familiär stärker mit Festlandchina verbunden als mit Taiwan, wollen sich jedoch nicht von der chinesischen Politik unterdrücken lassen. Etwa 200 Chinesinnen sind mit Taiwanern auf der Insel verheiratet.

Strassenansichten bei Nacht von der Innenstadt von Jincheng, dem Hauptort auf Kinmen. Kinmen gehört seit 1949 zu Taiwan und liegt nur wenige Kilometer vom chinesischen Festland entfernt. Seit 1992 herrscht Waffenruhe und Kinmen, mit seinen verzweigten Bunkeranlagen, wurde zu einem riesigen Freilichtmuseum des Kalten Krieges.

Eine von ihnen ist Shi Cheng Mei, eine gebürtige Chinesin, die seit 1998 auf Kinmen lebt. Sie arbeitet als Soldatendarstellerin im „Shishan Howitzer Bunkermuseum“, einem Freilichtmuseum des „Kalten Kriegs“, und zeigt den Besuchern, wie die Kanonen während der Gefechte mit China bedient wurden.

Der Konflikt zwischen China und Taiwan begann 1949, als Chiang Kai-shek mit seinen Anhängern nach Taiwan floh, nachdem Mao Zedong die Volksrepublik China ausgerufen hatte. Die Insel Kinmen, die zur Republik Taiwan gehört und nur 5 Kilometer vom Festland entfernt liegt, war hart umkämpft. Trotz der zunehmenden Präsenz chinesischer Küstenwachschiffe in den Gewässern um Kinmen zeigen sich die taiwanesischen Passagiere wenig besorgt über die wachsende Kluft zwischen Peking und Taipeh sowie die Möglichkeit eines bewaffneten Konflikts.

Verteitigungsanlagen zur Abwehr einer, in der Vergangenheit befürchteten Landung von chinesischen Truppen am Strand unterhalb der Bunkeranlage von L36 Fortress, in Lieyu Township, Kinmen County. Im Hintergrund ist die Skyline vom der nur wenige Kilometer entfernten chinesischen Metropole Xiamen zu sehen. Die Anlage hatte im Krieg gegen China eine wichtige Funktion und gehört zu den zahlreichen militärischen Verteidigungsanlagen, wo einiges an Kriegsgeräten besichtigt werden können.

Die 30-minütige Fährfahrt ähnelt einer Busfahrt und spart Zeit im Vergleich zu einer langen Flugreise. Täglich verkehren acht Fähren zwischen 8:30 und 17:30 Uhr. Die modernisierten Fährhäfen bieten Abfertigungshallen und Gangways wie auf Flughäfen.

Rund 700.000 Passagiere nutzten im vergangenen Jahr die Fähre Kinmen-Xiamen, darunter überwiegend Taiwaner. Seit 2023 nutzen auch chinesische Touristengruppen den „Goldenen Wasserweg“ wieder, um an den Wochenenden die Bunkeranlagen zu besichtigen.