Meine Arbeit »Based on True Events« dokumentiert Kriegsreenactments in Europa, um unser Verständnis historischer Kriege zu hinterfragen und die Betrachtenden mit der paradoxen Ästhetik des Krieges zu konfrontieren.
Dabei stellt sich die Frage, wie Geschichte konstruiert und zugänglich gemacht wird – und welche Aspekte dabei in Vergessenheit geraten oder verdrängt werden.
Ich habe Reenactments der napoleonischen Befreiungskriege, des Amerikanischen Bürgerkriegs sowie des Ersten und Zweiten Weltkriegs in Belgien, Frankreich und Deutschland besucht. Während einige dieser Veranstaltungen vor Publikum stattfinden, werden andere auf privatem Gelände abgehalten und sind der Außenwelt verschlossen. Oft gelten strenge Regeln, militärische Ränge und festgelegte Abläufe. Nicht nur die Kleidung muss authentisch sein, sondern auch Verpflegung und Unterkünfte.
Reenactors des Amerikanischen Bürgerkriegs am Ende einer Nachstellung auf einem Truppenübungsplatz. - Walldürn, Deutschland, 04. September 2021.
Eine Rauchgranate in einem ausgehobenen Graben während einer Nachstellung des Zweiten Weltkriegs. - In der Nähe von Soissons, Frankreich, 16. April 2022
Ein nachgestellter polnischer Soldat aus dem Ende des Zweiten Weltkriegs posiert für ein Porträt. „Ich wollte die polnischen Kämpfer nachstellen, weil sie in Reenactments extrem unterrepräsentiert sind“, sagt er. - Lens, Frankreich. 15. April 2023.
Viele Reenactors verfügen über ein tiefgehendes Wissen über historische Details, besitzen Originalstücke, fertigen ihre Kleidung teilweise selbst an oder beziehen sie von den wenigen spezialisierten Schneidern. Ihre Motivation ist äußerst unterschiedlich: Sie reicht von historischem Interesse über den Versuch, die Erfahrungen der eigenen Großväter nachzuvollziehen, bis hin zu Waffen- und Kriegsfaszination, Sammelleidenschaft oder einer glorifizierten Wahrnehmung von Krieg und Kameradschaft. Während viele aktiv an Kampfszenen teilnehmen, lehnen andere diese ab und konzentrieren sich darauf, historische Uniformen und den Alltag von Soldaten möglichst originalgetreu darzustellen. Ihr Ziel ist es, Wissen zu bewahren und zugänglich zu machen. Für manche wird das Reenactment gar zur Obsession.
Ein nachgestellter polnischer Soldat aus dem Ende des Zweiten Weltkriegs posiert für ein Porträt. „Ich wollte die polnischen Kämpfer nachstellen, weil sie in Reenactments extrem unterrepräsentiert sind“, sagt er. - Lens, Frankreich. 15. April 2023.
Frauen stellen Sanitäter des Ersten Weltkriegs nach, die eine Gewehrkugel entfernen. - Fort de Barchon, Belgien. 13. Mai 2023.
Eine Militärparade vor der Nachstellung der Schlacht von Ligny in Belgien. Die Schlacht von Ligny, in der französische Truppen unter dem Kommando von Napoleon I. einen Teil der preußischen Armee besiegten, fand am 16. Juni 1815 in der Nähe von Ligny statt. Die Schlacht von Ligny war der letzte Sieg in Napoleons militärischer Laufbahn. - Ligny, Belgien. 29. Mai 2022.
Die Nachbildung eines deutschen Panzers aus dem Zweiten Weltkrieg während einer Nachstellung in Frankreich. - In der Nähe von Soissons, Frankreich, 16. April 2022
Mit jeder dieser Nachstellungen werden die historischen Ereignisse neu interpretiert – und laufen damit Gefahr, verändert zu werden. Reenactments inszenieren eine Art „perfekten Krieg“, der weder Tod, Vertreibung noch Trauma realistisch abbilden kann.
Durch meine Fotografie betone ich die Überästhetisierung dieser Inszenierungen und lasse so die Spannung zwischen Wahrheit und Fiktion sichtbar werden. Gerade durch ihre Perfektion entlarven sich die Reenactments selbst.
Es stellt sich die Frage, welches Verständnis von Krieg hier vermittelt wird – und auf welche Weise wir uns an diese Kriege erinnern wollen.
Re-Enactors deutscher Soldaten in Frankreich. Sie nehmen die gebrauchten Granaten von einem Gürtel ab und bestücken ihn mit neuen für das Maschinengewehr. Nicht nur die Schlachten, sondern auch das tägliche Leben der Soldaten wird detailgetreu nachgespielt. - In der Nähe von Soissons, Frankreich, 16. April 2022.
Ein Belgier stellt einen belgischen Soldaten des Ersten Weltkriegs nach. Er gehört zu einer Truppe, die keine direkten Schlachten nachstellt, sondern sich auf das Alltagsleben der Soldaten im Ersten Weltkrieg konzentriert. Ihr Ziel ist es, eine authentische Darstellung zu schaffen, teilweise mit Originalobjekten, um „die Geschichte lebendig zu halten, mit Respekt für unsere Vorfahren“. - Fort de Barchon, Belgien. 13. Mai 2023.
Bei der Nachstellung einer Schlacht des amerikanischen Bürgerkriegs. Die Nachstellung kann auf verschiedene Weise ablaufen, je nachdem, wie die Kommandeure handeln. Diese Schlacht endete mit dem Sieg der Konföderierten über die Union. - Walldürn, Deutschland. 04. September 2021.
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2025
Copenhagen Photo Festival Selectee
2024
Dritter Preis, Revela't Festival
Rencontres de la Photographie de Marrakech
2023
Gewinner Lucie Scholarship, Fine Art, Professional
Gomma Grant Shortlist
Shortlist, Nikon Fotobus Grant