Zum Hauptinhalt

Die Tötung von Journalist*innen ist ein Kriegsverbrechen

Gaza

Erneut wurden am vergangenen Montag im Gazastreifen Journalist*innen durch einen Angriff der israelischen Armee getötet. Premierminister Benjamin Netanyahu nannte den Vorfall ein »tragisches Missgeschick«, doch die Art und Weise des Angriffs sprechen dafür, dass er gezielt erfolgt ist.
 
Seit Oktober 2023, also seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel, kamen nach Angaben von »Reporter ohne Grenzen« mehr als 200 Journalist*innen im Gazastreifen zu Tode. 
 
Am 25. August 2025 starben durch den Angriff auf das Nasser-Krankenhaus in Chan Junis im Süden des Gazastreifens fünf Journalist*innen. Der Angriff wurde offenbar als »Double Tap«-Attacke geführt, dabei erfolgt unmittelbar nach einem Angriff ein zweiter Angriff, der oft Rettungskräfte und Journalist*innen trifft. 

Der erste Angriff tötete Hussam al-Masri, einen Kameramann und freien Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters. Durch den zweiten Angriff wurden weitere Kolleg*innen getötet, die vor Ort waren, um über die Rettungsmaßnahmen zu berichten: Mariam Abu Daqqa, freie Foto- und Videojournalistin für The Independent und Associated Press, Mohammed Salama, Pressefotograf und Kameramann für Al Jazeera, sowie Moaz Abu Taha, ein Videoberichterstatter für verschiedene Medien. Ahmed Abu Aziz, freier Journalist für Middle East Eye und andere, erlag später den Verletzungen, die er durch den Angriff erlitten hatte. Hatem Khaled ein weiterer Reuters-Fotograf, wurde verwundet. 

Wir trauern um unsere Kolleginnen und Kollegen und fordern die sofortige Einstellung von Angriffen auf Journalist*innen, Rettungskräfte und andere Zivilisten. 

Israel muss umgehend eine unabhängige, internationale Untersuchung dieses Vorfalls und ähnlicher Vorfälle in der Vergangenheit zulassen. Es besteht der begründete Verdacht von gezielten Angriffen auf Berichterstatter*innen, dies wäre ein Kriegsverbrechen. 

Erlittenes Unrecht wie die Attacke vom Oktober 2023 rechtfertigt nicht, selbst Unrecht zu begehen. 

Auch wenn die Hamas zivile Strukturen für ihre Operationen missbraucht, muss sich ein demokratischer Rechtsstaat wie Israel an das humanitäre Völkerrecht halten. 

Wir fordern Israel und Ägypten auf, internationalen Medien umgehend Zugang zum Gazastreifen zu gewähren. Palästinensische Berichterstatter*innen dürfen nicht ohne Beweise als Hamas-Aktivisten diskreditiert werden. 
 
Für Journalist*innen ist der Gazastreifen derzeit der gefährlichste Ort der Welt. Wir erklären uns solidarisch mit unseren Kolleg*innen, die nicht nur wie die restliche Zivilbevölkerung unter den Kämpfen und dem Hunger leiden, sondern bei Ausübung ihres Berufs permanent unter Lebensgefahr stehen.