21. März - 16. Mai 2019
Robert Lebeck

Deutschland im März

21. März - 16. Mai 2019
Zur Eröffnung der Ausstellung am Donnerstag, den 21. März 2019 um 19 Uhr laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein. Es spricht Harald Willenbrock, Journalist und Co-Autor von Robert Lebecks Autobiographie »Rückblenden«.

1983 ist das Jahr, in dem die Angst vor dem Atomkrieg wächst. Die schlechte wirtschaftliche Lage auf dem Weltmarkt führt zu einer Krise der Stahl- und Werftindustrie. Die Arbeitslosenzahlen nehmen deutlich zu. Die Grünen ziehen erstmals als politische Kraft in den Bundestag.

Im Vorfeld der Bundestagswahl fragt der Stern den Hamburger Fotografen Robert Lebeck, ob der ein Stimmungsbild der Republik einfangen könne. Ohne genauen Plan fährt der Fotograf los. Doch schon nach kurzer Zeit ergeben sich die Motive. Am Ende druckt der Stern seine Bilder auf 12 Doppelseiten. Es wird die größte Reportage, die Lebeck im Magazin je veröffentlichen sollte.

Aus der Ausstellung »Deutschland im März«. Foto: Robert Lebeck

Und eine der stärksten, denn Lebeck legt mit seinen Bildern den Finger direkt in die Wunde. Auf dem Eröffnungsbild sieht man einen Mann, der sich aus übriggebliebenen Abfällen des Fischmarktes bedient, um seinen Hunger zu stillen. Kontrastiert wird es mit einer Szene vom Ball des Sports, ein gesellschaftliches Großereignis, bei dem sich die geladenen Gäste mit lukullischen Kostbarkeiten verwöhnen lassen.

Lebecks Ansichten sind skurril und tun gleichzeitig weh. Es gibt eine Szene des sterbenden Walds. Das Problem des sauren Regens treibt die Menschen damals stark um. In Berlin kriegt er einen Künstler vor die Kamera, der eine Landschaft mit einem darüber schwebenden Hakenkreuz malt. Die Schatten der Vergangenheit scheinen lang. In einer weiteren Szene sieht man eine brennende US-Flagge als Ausdruck der Angst vor der Stationierung von Atomraketen.

Aus der Ausstellung »Deutschland im März«. Foto: Robert Lebeck

Der Fotograf zeichnet in seiner Reportage ein schonungsloses Bild einer Republik, was viele Reaktionen hervorruft und ihm den Ruf eines Nestbeschmutzers einbringt. Mit dem zeitlichen Abstand von dreieinhalb Jahrzehnten kann die Reportage heute als ein Höhepunkt im Werk des Fotografen und des Bildjournalismus in Deutschland bezeichnet werden.

Am 21. März 2019 wäre Robert Lebeck 90 Jahre alt geworden. Die FREELENS Galerie ehrt den Fotografen und eröffnet an diesem Tag eine Ausstellung, in der die Serie »Deutschland im März« plus zahlreiche weitere, bisher unveröffentlichte Bilder aus der Reportage gezeigt werden.

Info

Robert Lebeck

Robert Lebeck (1929 in Berlin geboren) entschloss sich nach seinem Studium der Völkerkunde, die Laufbahn eines Fotografen einzuschlagen. Zunächst arbeitete er als Fotoreporter für Heidelberger Zeitungen. 1955 wurde er Leiter des Redaktionsbüros der Revue in Frankfurt/Main, wenig später Mitarbeiter von Kristall. Seine ungewöhnlichen Fotoreportagen machten den Stern auf ihn aufmerksam, der Lebeck für sein festes Reporterteam engagierte. Nach einem Intermezzo als Chefredakteur bei Geo kehrte er zum Stern zurück. 1991 erhielt Lebeck den Dr.-Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie. 2002 bekam er den Infinity Award für die Publikation Kiosk vom I.C.P. in New York. 2007 erhielt er als erster Fotograf den Henri-Nannen-Preis für sein Lebenswerk. Neben seiner Tätigkeit als Fotoreporter hat Lebeck sich auch als Sammler alter Fotografie einen Namen gemacht. Robert Lebeck starb 2014 im Alter von 85 Jahren in Berlin.