Fotos & Geschichten
Kollegengespräch

Mach was draus! Ein Besuch bei Nika Kramer

Wer sind eigentlich unsere Mitglieder? Was machen sie so, wie gestaltet sich ihr Alltag und wie kommen sie im sich ständig verändernden Berufsumfeld zurecht? FREELENS berichtet in der Rubrik »Kollegengespräch« in lockerer Folge über die Vielfältigkeit, die Bandbreite der Interessen und Arbeitsgebiete und die persönlichen Geschichten aus dem beruflichen Alltag der Profis. Für den heutigen Beitrag traf Rainer F. Steußloff die Fotografin Nika Kramer in Berlin.

TEXT RAINER F. STEUSSLOFF

Wer Geschichten hören möchte, ist bei Nika Kramer genau an der richtigen Adresse. Wer mit ihr zusammen in ihrer Wohnung sitzt, Bilder und Bücher anschaut und ihr zuhört, hat mit Sicherheit eine kurzweilige und lustige Zeit.

Nika Kramer hat Schneiderin gelernt, ist Fremdsprachenkorrespondentin, hat u.a. in Costa Rica und New York gelebt und ist über Umwege zur Fotografie gekommen. Sie hat mit der legendären Hip-Hop-Fotografin Martha Cooper zusammengearbeitet. Die war es auch, die ihr irgendwann eine gebrauchte Nikon in die Hand drückte und sagte: »Ich glaube, du wirst eine gute Fotografin – mach was draus!« Also reiste Nika mit der neuen Kamera auf den Spuren der Hip-Hop-Kultur ein halbes Jahr durch Mexiko und Mittelamerika und lernte Fotografieren.

 

Nika Kramer dokumentierte für Urban Nation beim isländischen Airwaves Musikfestival in Reykjavik 2016 nicht nur die »Wallpoetry«, sondern begleitete auch die Künstler beim Entstehen der Murals. Foto: Nika Kramer

Bevor Nika für Red Bull die internationalen Veranstaltungen der Breakdancer fotografierte, arbeitete sie bereits für den Getränkehersteller, gestaltete Webbeiträge, Blogs, redigierte Texte und war an Buchprojekten beteiligt. Für die Street Art Organization Urban Nation in Berlin dokumentiert sie Kunstprojekte und porträtiert die Künstler – weltweit. Nicht einfach so, wie es sich vielleicht im ersten Moment anhört. Sie hat dafür gearbeitet, geübt, geschwitzt, vor Aufregung gekotzt und Fotokurse belegt.

Die Leidenschaft für Fotografie spricht bei ihr aus jeder Geste und steckt in jeder Pore. Die B-Girls und -Boys ins rechte Licht zu rücken, die richtige Location zu finden, den Hintergrund zu gestalten, das Licht zu setzen, den entscheidenden Moment einzufrieren: »Alles zusammen besser als Sex.«

Hinter der Leichtigkeit, mit der Nika Kramer das alles erzählt, steckt eine Menge Arbeit. Model Releases von Dutzenden Jungs und Mädchen in lauten Clubs besorgen. Oder Aufnahmegenehmigungen in den Bürokratien dieser Welt. Kein einfaches Unterfangen, wenn religiöse, ethische oder einfach finanzielle Interessen dahinter oder dagegen stehen.

Auch hier ist Kreativität gefragt. »Wenn’s in Dubai Stadt nicht geht, fahren wir eben in die Wüste. Oder ich lerne meinen Taxifahrer an, damit er den Handblitz im richtigen Moment zückt. Vorher mit den Jungs alles eingeübt, Location gefunden, geschossen und weg.«

Für freie Arbeiten findet Nika Kramer selten Zeit. Foto: Nika Kramer

Freie Projekte? Gerne, aber wann? Auf Kuba startete Nika Kramer ihr Street Photo Projekt in Schwarzweiß. Es ist noch lange nicht fertig, doch die ersten Aufnahmen sind beeindruckend lebendig.

Und soziale Medien? Sie sind Mittel zum Zweck. Nika Kramer ist eine Netzwerkerin, die durch gute Kontakte in die Hip-Hop-Szene, tolle Fotos und Präsenz ihrer Arbeit eine Menge Leute anspricht. 11.000 Follower auf Instagram garantieren, dass Nika von Fotofirmen und Kunden ernst genommen wird. Nur so bekommt sie die nötige Unterstützung bei Material und Aufträgen.

Auf Facebook gründete sie 2016 die Gruppe »Girlz Who Shoot«, um die Fotografinnen dieser Welt kennenzulernen, sich auszutauschen, zusammen Spaß zu haben und sich gegenseitig zu unterstützen. Derzeit hat die Gruppe rund 60 Mitglieder aus Europa, Nordamerika, Asien, dem Mittleren Osten und Lateinamerika. Die erste gemeinsame Ausstellung fand bei »24 Stunden Neukölln« im Sommer 2017 statt. Frauen haben ihre Geschichten und Nika ist fasziniert von diesen Frauen, ihren Leben und ihren Arbeiten. Und da muss sie einfach mittendrin sein.

Ihre neue Leidenschaft ist Fashion-Fotografie – die Herausforderung für die nächsten Jahre. Schon der erste Auftrag führt sie demnächst nach China. Und danach? Ein Haus in Costa Rica, in dem sie mit Freunden den Lebensabend verbringen kann. Irgendwann später einmal. Das Grundstück hat sie schon.

Foto: Rainer F. Steußloff


Nika Kramer
Jahrgang 1968, lebt in Berlin und begann 2010, als Fotografin zu arbeiten. Sie fotografiert weltweit in den Bereichen Sport, Event, Kultur, Musik und Street Art.
www.nika-kramer.com