Auszeichnung
Preis für politische Fotografie

Die Preisträger der Rückblende 2022 stehen fest

Geprägt von Krieg, Naturkatastrophen und dem ersten Jahr der Ampelkoalition: Diese außergewöhnlichen Zeiten spiegeln sich auch in den Gewinner-Fotografien des Foto-Preises Rückblende 2022 wider. Dieser wurde am 23. Januar von der Landesvertretung Rheinland-Pfalz und dem Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger e.V. (BDZV) in Berlin vergeben.

»Freie und unabhängige Medien, die vertrauensvolle und verlässliche Informationen liefern, sind eine Säule für die Demokratie«, erklärt Jury-Vorsitzende Staatssekretärin Heike Raab. »Darum geht es auch in der Rückblende: Sie zeichnet jedes Jahr die besten politischen Fotografien und Karikaturen aus. Denn deren Bilder bringen die Wahrheit auf den Punkt, schaffen das bildhistorische Gedächtnis unserer Gesellschaft. Die Rückblende ist in jedem Jahr somit immer auch ein Statement für Meinungs- und Pressefreiheit.«

Den ersten Platz für das »Beste Foto 2022« teilen sich dieses Jahr ausnahmsweise zwei Preisträger. Die Jury entschied, dass die Drohnen-Aufnahme von Boris Roessler von einem Waldbrand sowie das Foto von Bernd Kammerer von einer Solidaritätskundgebung für die Ukraine so gelungen seien, dass beide ausgezeichnet werden.

Mehrere tausend Menschen nehmen auf dem Römerberg in Frankfurt an einer Solidaritätskundgebung für die Ukraine teil. Dabei ist der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj live auf einer Leinwand zugeschaltet. Foto: Bernd Kammerer

Für das »Beste Foto 2022« erhält der Fotograf Boris Roessler, der bereits 2008 die Rückblende gewonnen hat, einen Preis in Höhe von 3.500 Euro. Aufgrund von wochenlanger Trockenheit brachen in ganz Deutschland im Sommer Waldbrände aus – auch nahe Münster in Hessen. Mit einer Drohnen-Kamera hat er Bilder der niedergebrannten Waldfläche angefertigt. Die ausgezeichnete Aufnahme zeigt mehrere Feuerwehrfahrzeuge, die an einer Kreuzung die letzten Glutnester löschen. Für die Jury der Rückblende waren der Bildschnitt und die Detailtiefe der Fotografie hier entscheidende Qualitätsmerkmale.

Auch der Frankfurter Fotograf Bernd Kammerer erhält für das »Beste Foto 2022« einen Preis in Höhe von 3.500 Euro. Seine Aufnahme zeigt eine Solidaritäts-Kundgebung für die Ukraine. Auf dem Frankfurter Römer sind hunderte Menschen zu sehen, die nach dem russischen Überfall gegen den Krieg protestieren. In der Mitte leuchtet ein Bildschirm, auf dem Präsident Wolodymyr Selenskyj zugeschaltet ist. Die Jury lobte die Qualität der Aufnahme in Hinsicht auf Bildausschnitt, Detailtiefe und Licht. Das Foto stehe sinnbildlich für die Unterstützung, die die Menschen in Deutschland den Ukrainerinnen und Ukrainern entgegenbringen und für die große Bestürzung über den brutalen Angriff Russlands.

Die ukrainischen Flüchtlinge aus Odessa, Bräutigam Gabriel Grigoriev und Braut Elisheva Chay feiern ihre jüdische Trauung mit Gästen in Berlin. Foto: Filip Singer
Die Silhouetten von Wirtschaftsminister Habeck (links) und Finanzminister Lindner (rechts) zeichnen sich im Garten des Kanzleramtes ab, während der Regierungsklausur der neuen Bundesregierung. Foto: Florian Gartner

Zu den weiteren Gewinnern der Rückblende 2022 zählt Filip Singer, der für die »Beste Serie 2022« mit einer Leica-Kamera ausgezeichnet wurde. Die Bilder der Serie »Ukraine-Flüchtlinge aus Odessa heiraten in Berlin« zeigen, wie jüdisches Leben nach der Flucht aus dem Krieg weitergehen kann.

Den von der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz gestifteten Preis »Das scharfe Sehen« mit einem Preisgeld von 3.000 Euro gewinnt Florian Gaertner für seine Aufnahme vom Rande einer Kabinettsklausur. Sie zeigt Wirtschaftsminister Habeck und Finanzminister Lindner während der Regierungsklausur der neuen Bundesregierung im Januar als Schattenrisse in einem Gespräch.

Putin privat, erschienen am 23. März 2022 in der F.A.Z. Karikatur: Achim Greser & Heribert Lenz

Den Karikaturenpreis der Deutschen Zeitungen erhalten die Karikaturisten Achim Greser und Heribert Lenz, die im Duo arbeiten. Die »Siegerkarikatur 2022« zeigt den russischen Präsidenten Vladimir Putin als Kriegsverbrecher. Die Karikatur von Greser und Lenz nimmt die Skrupellosigkeit und absolute Machtfülle des russischen Präsidenten aufs Korn. Dieser schreitet im Bademantel verziert mit dem russischen Doppeladler auf einem roten Teppich durch den Kreml. In Richtung eines salutierenden Soldaten erfolgt die Anweisung »Igor, richten Sie mir ein Blutbad an«, was die Absolutheit seiner autokratischen Herrschaft und die Verletzung aller internationalen Regeln durch den Angriff auf die Ukraine pointiert zuspitzt. Erschienen ist diese am 23. März 2022 in der F.A.Z.

In der Kategorie Karikatur überzeugte auch Klaus Stuttmann mit seiner Zeichnung des riesigen Tisches im Kreml als Sarg. Der Tisch war häufig in den Medien zu sehen, da Putin an ihm Staatsgäste empfängt. Stuttmann erhält den mit 2.000 Euro dotierten »2. Preis Karikatur«. Der 3. Preis geht an Burkhard Mohr, er erhält 1.000 Euro. Mohr zeichnete Politikerinnen und Politiker der Ampel-Koalition im Zusammenhang mit der Freigabe von Cannabis. Alle Karikaturenpreise stiftet der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger.

Stolz auf seinen neuen Tisch…, erschienen am 16. März 2022 im Tagesspiegel. Karikatur: Klaus Stuttmann
Die Ampel nimmt Fahrt auf. Süddeutsche Zeitung, 28. Oktober 2022. Karikatur: Burkhard Mohr

Die Teilnehmerzahlen der Rückblende liegen weiterhin auf einem hohen Niveau: Für den Wettbewerb zum deutschen Preis für politische Fotografie und Karikatur wurden 1.363 Arbeiten eingereicht. Jury-Vorsitzende Heike Raab dankte den 246 teilnehmenden Fotografinnen und Fotografen, den 63 Karikaturistinnen und Karikaturisten sowie allen Partnern der Rückblende. »Ohne Sie wäre die Rückblende als Branchenschau und vor allem als Würdigung des politischen Bildjournalismus in Deutschland, fotografiert oder gezeichnet, nicht möglich. «

Auch in diesem Jahr wird die Rückblende-Ausstellung mit den 75 besten Fotos, fünf besten Foto-Serien und 50 besten Karikaturen in einem »Showroom« auf der Rückblende-Webseite gezeigt. Hier können die Besucherinnen und Besucher zudem bis zum 13. Februar 2023 für ihre Favoriten abstimmen und den beliebten Publikumspreis wählen. Der Publikumspreis wird bei der Finissage am 14. Februar 2023 überreicht. Weiterhin finden sich auf der Webseite die Tourneedaten für die neun Ausstellungsorte Berlin, Mainz, Bonn, Leipzig, Koblenz, Neustadt an der Weinstraße, Trier, Dortmund und Brüssel.