Im Zuge von Kosteneinsparungen seitens der Verlage werden Fotojournalisten heute zunehmend mit Anforderungen konfrontiert, die über die klassische Fotografentätigkeit hinaus gehen. Andererseits bieten
sich durch die Verknüpfung verschiedener Medien neue Möglichkeiten. So stehen etwa Brian Storm und Ed Kashi stellvertretend für eine Generation von Multimedia-Produzenten und Fotografen, die in den letzten Jahren die Grenzen des Fotojournalismus erheblich erweitert haben. Auf Webportalen wie Media Storm (
www.mediastorm.org), Bombay Flying Club (
www.bombayfc.com) und Spill The Beans! (
www.spillthebeans.de) finden sich Produktionen, die durch mutige Kombinationen von Fotografien mit Tonspuren und filmischen Elementen eine neue Intensität vermitteln und sich einem Thema auf verschiedenen Ebenen annähern.
Die Ergänzung der Fotografie durch Tonaufnahmen und Filmsequenzen ermöglicht eine sensorisch reichere Erzählweise. So erzählen Bewegtbilder - mitunter auch ohne Ton - nur durch Gestik und Mimik spezielle Momente intensiver als Stillaufnahmen/Fotografien.
Hintergrundgeräusche hingegen vermitteln die Atmosphäre eines Ortes, Toninterviews geben den Protagonisten eine Stimme, vermitteln Emotionen, lassen Rückschlüsse auf Herkunft, Bildung und Alter zu
und machen den Menschen dadurch begreifbarer.
Entscheidend für die Planung von multimedialen Fotoproduktionen ist das Wissen über die spezifischen Stärken und Schwächen des jeweiligen Mediums, ebenso wie der sichere handwerklich-technische Umgang mit den Geräten.
Durch diese Erweiterung ihrer Fähigkeiten und Ausdrucksformen können Fotografen sowohl inhaltlich - journalistisch als auch finanziell gewinnen.
Multimedia Produktion für Fotojournalisten
Das Seminar „Multimedia-Produktion für Fotojournalisten“ vermittelt grundlegende Kenntnisse für den Umgang mit Bewegtbild, Ton und Schnitt. Ein besonderer Schwerpunkt wird auf die inhaltliche Konzeption und praktische Planung multimedialer Projekte gelegt. Nach Abschluss der sechstägigen praxisorientierten Ausbildung sollen die Teilnehmer in der Lage sein, die erlernten Grundlagen selbstständig zu vertiefen und multimediale Projekte zu planen und durchzuführen.
Elemente des sechstägigen Seminars sind:
− Einführung und Beispiele von Multimediageschichten
− Analyse der Stärken und Schwächen von Beispielprojekten
− Grundkenntnisse der Tonproduktion am Beispiel von Interviewsituationen und Tonatmos
− Intensives praktisches Tontraining unter Extremsituationen, sowohl mit professioneller als auch
improvisierter Ausrüstung
− Tonbearbeitung und Troubleshooting
− Einführung in die Video Arbeit mit professionellen digitalen SLR-Kameras
− Möglichkeiten und Grenzen von digitalen SLR-Kameras zur Filmproduktion (z.B. Canon, Panasonic)
− Praktische Filmübungen mit SLR-Kameras
− Einführung in den non-linearer Videoschnitt am Beispiel eines der marktführenden Programme
Apple FinalCutPro
− Materialaufbereitung und Projekt-Organisation
− Einbinden von Fotos/Grafiken sowie Text/Typografie beim Schnitt
− Color Matching in FinalCutStudio/Color
− Nutzung von Musik. Rechtliche Aspekte/Nutzung von Gema-freien Quellen wie von CreativeCommon- Quellen
− Produktion für das Web: Kompression vs. Qualität
− Projektorganisation bei Multimediageschichten und Teamarbeit zwischen Filmer und Fotograf
− Konzeption, Drehbuch sowie Produktion einer multimedialen Reportage in Gruppenarbeit
Der Workshop hat einen deutlich praktischen Schwerpunkt.
Zielgruppe:
Das Seminar richtet sich an Fotografen und Journalisten die ihren „Werkzeugkasten“ erzählerischer Ausdrucksmöglichkeiten erweitern und intensiv in das „Multimedia Story Telling“ eintauchen möchten. Wir setzen entsprechende fotografische Grundkenntnisse inkl. EDV-Basiswissen voraus. Weitergehende Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Da die Teilnehmer in 3er-Teams arbeiten, können auch gerne Print- und Radio - Journalisten ohne fotografische Kenntnisse teilnehmen.
Um das Optimum aus diesem Seminar zu ziehen, ist es wichtig sich im Vorfeld gut vorzubereiten. Wir stellen den Teilnehmern nach Anmeldung eine Liste von im Seminar behandelten Multimediaprojekten zur Verfügung.
Das Seminar beinhaltet viel Lehrstoff und jede Menge Möglichkeiten Fehler zu machen und daraus direkt zu lernen. Bitte rechnet mit langen, anstrengenden Tagen und wahrscheinlich auch mindestens einer Nachtschicht!
Jeder Teilnehmer bringt wenn möglich Laptop, Kameraausrüstung, Kopfhörer und wenn vorhanden Tonaufnahmegerät und Mikrofon mit. Professionelle Tonrekorder, Mikrofone und Kopfhörer, sowie Gruppenarbeitsplätze mit Videoschnittprogramm sind vorhanden.
Dozenten:
Oliver Eberhardt (Jahrgang 1968)
Filmemacher, Kameramann, Multimediaproducer, Dozent. M.A. Angewandte Kulturwissenschaften Musik/Marketing/Kulturinformatik, Universität Lüneburg. B.A. Journalismus/Marketing, Angelo State University, TX/USA.
Seit dem Studium als Dozent für die Grundlagen der Filmproduktion und Schnitteinführung tätig. Einsatz als freier Multimedia-Producer u.a. bei Universal Music Group und Geo Online. Langjährige Erfahrungen in den Genres Dokumentation, Imagefilm, Live-Events, Kurzfilm und Musikvideo. U.a. diverse internationale Produktionen in verschiedenen europäischen Ländern sowie Ägypten, Indien u. den USA.
Uwe H. Martin (Jahrgang 1973)
www.uwehmartin.de
freier Fotograf und Multimediaproduzent, Initiator und Gründungsmitglied von
www.spillthebeans.de Arbeitet schwerpunktmäßig an selbstrecherchierten Langzeitdokumentationen über ökonomische, ökologische und medizinische Themen. Seit 2007 realisiert er eine multimediale Reportage über die sozialen und ökologischen Auswirkungen der globalen Baumwollproduktion, die Fotografie und Dokumentarfilm miteinander kombiniert.
Uwe H. Martin studierte Fotojournalismus an der FH Hannover und mit Unterstützung eines Fulbrightstipendiums in den USA. Angeregt durch Multimediaseminare an der Missouri School of Journalism (u.a. Brian Storm) erweiterte er nach seiner Rückkehr seine Diplomarbeit (2005/2006) über das Alltagsleben von Menschen mit Narkolepsie durch Audiointerviews. Dieses Thema entwickelt er heute weiter zu einem Dokumentarfilm mit dem Titel ‚Sleeping through the day‘.
Neben seiner fotografischen Praxis schreibt Uwe H. Martin für das Freelens Magazin über internationale Medienthemen und Multimediajournalismus. Schon während des Studiums unterrichtete er zwei Jahre lang Fotografie an der FH Hannover und mehrmals in Pathshala in Dhaka, Bangladesch.