Gruner + Jahr ohne Bildredakteure

Der Verlag schickt seine Fotokompetenz in die Wüste

 

Etliche Gruner + Jahr Redaktionen müssen in Zukunft ohne eigene Bildredakteure auskommen. Dabei handelt es sich um die Verlagsgruppe „Exclusive & Living“. Zu der gehören die Titel SCHÖNER WOHNEN, HÄUSER, LIVING AT HOME, ESSEN & TRINKEN, ESSEN & TRINKEN FÜR JEDEN TAG, BEEF!, FLORA GARTEN, DOGS sowie der Verlag NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND. Auch die Corporate Publishing Sparte „G+J Corporate Editors“, die unter anderem das Lufthansa Magazin und DB mobil herausbringen, gehört dazu, ebenso wie diverse Online-Portale.

Hier sollen die Redaktionen reduziert werden, wobei unter anderem die Bildredaktionen außen vor bleiben. Sie sollen ausgelagert werden. In einer Pressemeldung verkauft der Verlag das Outsourcing folgendermaßen: „Das neue Modell wurde von den Chefredakteuren der Gruppe entwickelt und soll bis Mitte Dezember umgesetzt werden: Ein Team je Zeitschriftenmarke, bestehend aus Chefredaktion, Artdirektion und Textredaktion, bildet die Kernredaktion. Jede Redaktion bleibt unabhängig. Weitere Arbeitsgebiete in den Redaktionen, wie z. B. Schluss- und Bildredaktion oder Atelierbauten, werden von kompetenten Dienstleistern erbracht.“

Die Presseerklärung zitiert Julia Jäkel, die Verlagsgeschäftsführerin Exclusive & Living: „Wir müssen uns von Kolleginnen und Kollegen trennen, mit denen wir viele Jahre lang gut zusammengearbeitet haben. Keiner von uns hat sich diese Entscheidung leicht gemacht." Dabei handelt es sich um zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den Redaktionen, und acht aus dem Fotoatelier.

Wie sieht das neue Modell aus? Die „Living-Titel organisieren sich in eigenständigen Kernredaktionen“ heißt es. Was im Unkehrschluss bedeutet: Die Arbeit von Bildredakteuren gehört nicht zu den Kernkompetenzen des Gruner + Jahr Verlages. Zweifeln lässt sich da eher an der Kompetenz der Entscheider. Wissen die überhaupt um die Abläufe in einer Redaktion? Haben sie schon mal davon gehört, dass eine intensive Kommunikation nötig ist, um Foto und Text aufeinander abzustimmen? Klar, selbst wenn die Bildredaktion in einer anderen Stadt sitzt – irgendwie bekommt man sein Blatt schon voll. Aber ob man damit in Zukunft im Wettbewerb bestehen kann, ist fraglich.

Julia Jäkel verklärt die Sparmaßnahmen so: „Unsere Abläufe sind jetzt klar und zeitgemäß organisiert. So werden wir auch in Zukunft Leserinnen und Leser mit unseren kompetenten, lebendigen und hochwertigen Magazinen begeistern können.“ Klingt irgendwie nach den hohlen Floskeln einer PR-Agentur. „Ein neues Living-Service-Team unterstützt die Redaktionen titelübergreifend“, heißt es in der G+J Presseerklärung. „Service-Team“, das ist der neue Ausdruck für Bildredakteure – typisch für die derzeitige Gruner+Jahr Denkart: Die Herangehensweise von Klempnern.


Eingestellt von Manfred Scharnberg in