Der Lange Schatten von Tschernobyl
Gerd Ludwig erreicht Sponsoring Zwischenziel
Man kennt Gerd Ludwig als exzellenten Fotografen, etwa durch seine Reportagen in National Geographic. Und man kennt ihn als intensiven Beobachter der Entwicklungen in Russland. Dazu gehören auch die Folgen der Katastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl. Nun will er 25 Jahre nach dem Unglück an diese Tragödie erinnern, plant erneut zum Reaktor und in das radioaktiv verseuchte Umfeld zu reisen. Wie ist der aktuelle Stand der Kontamination des Landes? Welchen Fortschritt macht die Säuberung? Und wie steht es heute um die gesundheitlichen Schäden, die die Bevölkerung erlitten hat? Diesen Fragen möchte er nachgehen und die Lage mit seiner Kamera dokumentieren.
Um das Projekt mit dem Titel „Der Lange Schatten von Tschernobyl“ zu finanzieren, hat Gerd Ludwig eine Sammelaktion über das Spendenportal Kickstarter ins Leben gerufen. Dabei wurde jetzt die erste Etappe erreicht. Grundsätzlich steht die Reise nicht mehr aus finanziellen Gründen in Frage. Doch das Projekt ist weitergehend, denn die Fotos sollen als Ausstellung, im Selbstverlag und in elektronischer Form publiziert werden. Noch 54 Tage kann gespendet werden.

© Gerd Ludwig
Erstaunlich ist, dass die Medienwelt offensichtlich nicht in der Lage ist, so ein historisches Ereignis begleiten zu lassen. Zumal noch von einem, der zu den renommiertesten Fotografen weltweit gehört. Von einem, der das Thema zu seinem Langzeitprojekt gemacht hat. Das Medieninteresse ist stark gesunken – obwohl das Gebiet noch immer hochgradig verseucht ist. Das scheint symptomatisch für eine marode Medienbranche zu sein.
Gerd Ludwig schreibt: „Weil die traditionelle Medienberichterstattung mit finanziellen Einschränkungen kämpft, müssen Fotojournalisten jetzt neue Wege finden, um Geldmittel für die langfristigen Projekte zu akquirieren, die ihnen besonders am Herzen liegen. Während viele im Mediengeschäft sich darauf verlegt haben, über Stars und Prominente zu berichten, sind Fotografen wie ich davon überzeugt, dass es sowohl den Bedarf an als auch den Wunsch nach ernsthaften Themen gibt.“
So bleibt der Weg der journalistischen Berichterstattung, die von Bürgern unterstützt und finanziert wird, über Projekte, über die in den traditionellen Medienquellen nicht ausreichend berichtet wird. Bislang sind mehr als 25.000 Dollar zusammen gekommen. Bisher ist ein zweiwöchiger Aufenthalt in der 30-Kilometer Sperrzone geplant. Wegen der noch immer unglaublich starken Kontamination kann Gerd Ludwig nur 15 Minuten pro Tag im Innersten des Reaktors fotografieren. Allein die täglichen Transportkosten dorthin betragen rund 500 Euro. Da sich in der gesamten Region niemand frei bewegen kann, es keine verlässlichen Karten oder Straßenschilder gibt, ist ein Fahrzeug mit ortskundigem Fahrer unverzichtbar.
Gerd Ludwigs Interesse an Umweltthemen und an den sozioökonomischen Veränderungen nach der Auflösung der Sowjetunion mündete in einer Ausstellung und einem Buch mit dem Titel „Russland. Eine Weltmacht im Wandel“ (Broken Empire: After the Fall of the USSR), eine zehn Jahre umfassende Retrospektive, die 2001 veröffentlicht wurde. „Der Lange Schatten von Tschernobyl“ ist eine überzeugende Fortführung. Zu den Unterstützern des Projektes gehören viele unterschiedliche Individuen, aber auch die Firma California Sunbounce sowie Frank Evers und Lauren Greenfield vom „Institute for Arist Management“. Dies ist die Agentur von Gerd Ludwig, zu der eine Reihe von renommierten Fotografinnen und Fotografen gehören, wie auch Rena Effendi und Guillaume Herbaut. Diese beiden Fotografen haben auch in Tschernobyl fotografiert.
Hier sind Links zu ihren Arbeiten:
http://stories.instituteartistmanagement.com/renaeffendi-chernobyl-still-life.html
http://projects.instituteartistmanagement.com/guillaumeherbaut-thezone.html
Und hier weitere Links zum Thema Tschernobyl
http://www.longshadowofchernobyl.com/de/links-2/
Eingestellt von Manfred Scharnberg in

